Hand aufs Herz: was dürfen Web-Texte kosten?

Mai, 13 2017

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„Für Texte geb ich doch kein Geld aus!” hab ich neulich auf dem Freitagsblog gelesen: Es geht darum, dass viele Unternehmen bei den Kosten für professionelle Textarbeiten vorsätzlich sparen …

Von Kunden und Bekannten höre ich selbst immer mal wieder: „Text im Internet liest doch eh keiner!“ „Schreiben kann ich selber. Wieso noch zusätzlich Geld ausgeben?“

So ist es nicht verwunderlich, dass professionelle Web-Texte meist mit viel weniger abgerechnet werden, als die Arbeitsstunden eines Programmierers.

Erschreckend, wenn Auftraggeber z.b. in Online-Textbörsen Jobs für 1 Cent pro Wort vergeben und auch noch Texter dafür finden … „Der Markt ist kaputt”, dazu ein Beitrag auf taz.de anlässlich der „re:publica“:

Arne-Christian Sigge ist auch grundsätzlich der Meinung, dass die Vergütungen, die die Unternehmen zahlen, höher sein müssten.

Eine aktuelle Studie besagt, dass die niedrigsten Gehälter in der Branche Beschäftigte im Social-Media-Bereich und Content-Management sowie in der Grafik erhalten (Hier mehr dazu …)

Viele Auftraggeber sind vermutlich erst dann bereit mehr zu bezahlen, wenn die Text-Qualität stimmt!?

Was sind qualitative, professionelle Webtexte?

„Webtexter kleben nicht nur Buchstaben aneinander“ schreibt Marc Ostermann.

Er bringt die Diskussion rund um die mangelnde Wertschätzung und geringe Bezahlung treffend auf den Punkt:

„Statt nur in die Tasten zu hauen, beschäftigen sich Webtexter nämlich mit marketingspezifischen Fragestellungen, SEO-Aspekten, Themenrecherchen, vorbereitenden Strukturierungen und dem Entwickeln eines roten Fadens …“

Webtexter müssen journalistisches Know-how mit Marketing- und Online-Expertise verbinden können. Wer einen guten Webtext abliefern will, braucht mehr als „eine gute Schreibe“.

Ein Webtexter sollte fundierte Kenntnisse in der Suchmaschinenoptimierung (SEO) vorweisen … Meta-Beschreibungen und h-Titel nicht dem Programmierer oder Designer überlassen!

Zudem sind Kreativität, Originalität und Echtheit der Texte gefragt. Es geht um marketingstrategische Überlegungen, wie Ziele/Zielgruppen und den inhaltlichen Auftrag. Ein klarer Aufbau, Verständlichkeit, und eine lebendige Sprache sind unabdingbar. Ein professioneller Web-Text sollte letztendlich dem Leser und den Suchmaschinen einen brauchbaren Mehrwert bieten können.

Was dürfen Webtexte kosten?

Kunden bewerten in den meisten Fällen nur das Endprodukt, haben oft keinerlei Gespür für die nötigen Vor- und Nacharbeiten und zu wenig Wissen über Suchmaschinenoptimierung und Web-Standards. So ist es für Content Manager in Agenturen und freie Webtexter sehr mühsam vernünftige Stundensätze vergütet zu bekommen!

Auch Grafiker kennen das Dilemma, denn kreative Leistungen können meist nicht angemessen abgerechnet werden. So ist die Entwicklung eines Logos oder Schriftzuges ein kreativer Prozess und fast unmöglich in Arbeitsstunden zu vergüten.

Bei Webtexten geht es zunächst um Marketing-Strategie und SEO-Taktik und erst in zweiter Linie um Umfang und Ausführung. Es empfiehlt sich meiner Meinung bei der Vergütung eine Mischung aus Pauschalpreis und Stundenaufwand zu wählen. Sollte ein Kunde Vorgaben zur Textlänge haben, kann in Ausnahmefällen auch eine Abrechnung nach Wortpreis möglich sein.

Ein Blog-Artikel umfasst meist ca. 400 bis 500 Wörter – mit Vorarbeit und Korrekturen ist ein spezialisierter Schreiber mindestens 1,5 bis 2 Stunden am Werk. Ähnlich verhält es sich bei einem E-Mail Newsletter oder einen PR-Text (Achtung Korrekturschleifen!) … Bei einem Mindeststundensatz z.b. als freier Texter von 50 Euro ergibt sich ein Basis-Preis von 75 bis 100 Euro für die einmalige Dienstleistung.

Ziel soll es sein, den Kunden klare Preis-Konditionen vermitteln zu können!

Erstklassige Inputs finden freie Texter dazu auf Lillis Lettersblog: „So berechnest du deinen Stundensatz als freier Texter“ und „Wie kann man als Freelance-Texter Kunden finden, die gut bezahlen?“

Fazit

In Zeiten, in denen Inhalte als das neue Gold im Web gehandelt wird, steigen die Ansprüche an Texter: Nicht nur professionelle und schnelle Schreibarbeit ist gefragt, sondern auch Kreativität, Originalität und SEO-Geschick! Der moderne Texter ist die perfekte Kombination aus (Online-)Marketer und Journalist.

Platte SEO-Texte nach Wortpreisen abgerechnet, sollten der Vergangenheit angehören. Mit den neuen Anforderungen müssten auch die Stunden-Vergütungen und Pauschal-Preise für Webdienstleistungen endlich steigen. Letztendlich sind aber nicht nur Auftraggeber in der Pflicht, sondern auch Texter und Content Marketer selbst, sich an Basispreise und Mindeststundensätze zu halten.

Was es zunächst für eine solide Geschäftsbeziehung braucht, ist eine offene und vertrauenswürdige Verhandlungsbasis mit klaren Preis-Konditionen, gegenseitige Wertschätzung und Sensibilität für digitale Dienstleistungen. Nur so können Ziele gemeinsam schneller und besser erreicht werden.



2 Antworten zu “Hand aufs Herz: was dürfen Web-Texte kosten?”

  1. Vielen Dank für die Erwähnung meiner Blogartikel und das liebe Kompliment! Ich freue mich sehr darüber. :)

  2. Stephan Raffeiner sagt:

    Danke Lilli für deine professionelle Arbeit! Es macht immer Freude deinen Blog zu lesen. Ich bin ein Fan :)

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Hand aufs Herz: was dürfen Web-Texte kosten?

von Stephan Raffeiner Lesezeit: 5 min
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