Erfolgsfaktor Affiliate-Marketing: Qualität statt Quantität
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Nach Einschätzung von Tim Lomborg, Regional Managing Director bei Awin, markierte das Jahr 2025 einen Wendepunkt für das deutsche Partner- und Affiliate-Marketing. Der Markt habe sich neu ausgerichtet und erstmals ein tragfähiges Qualitätsfundament geschaffen, das Transparenz, Verlässlichkeit und Zukunftsfähigkeit in den Mittelpunkt stelle. Diese Entwicklung finde inzwischen auch über die Landesgrenzen hinaus Beachtung und bereite den Boden für eine ambitionierte Weiterentwicklung im Jahr 2026.
Gemeinsames Qualitätsverständnis als Basis
Im Zentrum dieser Entwicklung steht laut Lomborg die Neuformierung der Affiliate-Branche unter dem Dach des Affiliate & Partner Marketing Circle (APMC) im Bundesverband Digitale Wirtschaft. Erstmals seit Jahren hätten sich dort alle relevanten Marktteilnehmer auf ein gemeinsames Qualitätsverständnis verständigt.
Dieses beruhe auf drei zentralen Säulen: verbindlichen Qualitätsstandards, einer strukturierten Klärung regulatorischer Fragen durch aktive Branchenarbeit sowie der Stärkung des Images und der fachlichen Kompetenz des Partner-Marketings. Deutschland positioniere sich damit als ein Markt, der offener, klarer und verbindlicher agiere als zuvor.
Qualität messbar machen: Conversion Protection Initiative
Parallel zu diesen Brancheninitiativen habe Awin seinen eigenen Qualitätsanspruch weiter geschärft, so Lomborg. Dazu zähle unter anderem eine konsequentere Ausgestaltung des internen Code of Conduct sowie die breite Umsetzung der Conversion Protection Initiative (CPI).
Die Zahlen belegten, dass qualitativ sauberes Tracking im Affiliate-Marketing nicht nur theoretisch möglich, sondern auch skalierbar sei. Laut Initiative seien bereits rund 2,5 Millionen zusätzliche Sales korrekt erfasst worden, die ohne verbesserte Messmethoden verloren gegangen wären. Das entspreche einem zugeordneten Umsatz von mehr als 250 Millionen US-Dollar und rund 16,5 Millionen US-Dollar an korrekt ausgezahlten Provisionen.
Diese Fortschritte hätten Deutschland von reinen Grundsatzdebatten in eine Phase der praktischen Umsetzung geführt. Auch international sei das anerkannt worden: Die CPI wurde kürzlich bei den Global Performance Marketing Awards mit dem Preis für „Excellence in Transparency and Compliance“ ausgezeichnet.
2026: Vom Qualitätsanspruch zur gelebten Praxis
Mit Blick auf 2026 erwartet Lomborg den nächsten Entwicklungsschritt. Die im Jahr 2025 definierten Qualitätssäulen würden sich zu einem verbindlichen operativen Rahmen verdichten. Dieser solle festlegen, wie Partner bewertet werden, welche Kriterien für Traffic-Qualität gelten und welche Grundregeln für Transparenz und Attribution verbindlich sind.
Deutschland entwickle sich damit zu einem europäischen Referenzmodell für qualitätsorientiertes Partner-Marketing – und zeige, wie eine Branche durch klare Strukturen stabiler und leistungsfähiger werden könne.
Mehr Klarheit beim Thema Consent
Auch regulatorisch sieht Lomborg Bewegung. Während Länder wie Frankreich und Großbritannien bereits pragmatischere Ansätze beim Thema Consent verfolgen, werde Deutschland 2026 stärker in eine ausgewogenere Diskussion einsteigen.
First-Party-Tracking, BVDW-gestützte Standards und eine bessere Dokumentation etablierter Marktpraktiken könnten für mehr Rechtssicherheit sorgen. Ziel sei eine Arbeitsumgebung, die sowohl Advertisern als auch Publishern verlässlichere Entscheidungsgrundlagen bietet.
EU-Regulierung verändert den Wettbewerb
Zusätzlichen Einfluss erwartet Lomborg von der Europäischen Kommission. Verschärfte Vorgaben zu Plattformstandards, Transparenz, Offenlegungspflichten und Produktintegrität könnten die Wettbewerbsdynamik im digitalen Handel deutlich verändern.
Für das Partner-Marketing bedeute das eine steigende Nachfrage nach Kanälen, die nachvollziehbar, regelkonform und integer arbeiten. Deutschland sei für diese Entwicklung gut vorbereitet, da der Markt bereits über einen vergleichsweise reifen Qualitätsrahmen verfüge.
Partner-Marketing rückt weiter in den Mainstream
Lomborg geht davon aus, dass Partner-Marketing 2026 weiter an Bedeutung im Performance-Marketing gewinnt. Besonders die stärkere Verzahnung mit Influencer- und Creator-Modellen werde neue Dynamik erzeugen. Performance-basierte Creator-Ansätze sowie Plattformen mit integrierten Umsatzbeteiligungen – wie sie etwa von großen Content-Plattformen etabliert wurden – dürften zunehmend zum Standard werden.
Die Rolle von KI: Effizienz, Plattformen, neue Partner-Modelle
Künstliche Intelligenz sieht Lomborg als zentralen Treiber in drei Bereichen. Erstens steigere sie die interne Produktivität, indem Mitarbeitende in allen Unternehmensbereichen durch passende KI-Werkzeuge effizienter arbeiten könnten.
Zweitens spiele KI eine Schlüsselrolle in der Weiterentwicklung der Awin-Plattform. Ziel sei es, Partnerschaften einfacher, schneller und skalierbarer zu machen. Das Berufsbild des Affiliate Managers werde sich dadurch spürbar verändern: weg von manuellen Routinen, hin zu strategischer Steuerung auf Basis intelligenter Empfehlungen.
Drittens beschleunige KI die Innovation auf Publisher- und Partnerseite. Automatisierte Content-Erstellung, datengetriebene Entscheidungslogiken und neue Monetarisierungsmodelle ermöglichten eine Vielzahl neuer Partnerformen. Awin verfolge das Ziel, zur bevorzugten Plattform für diese KI-getriebenen Modelle zu werden – ähnlich wie bereits im Tech-Partner-Segment.
Creator-Marketing als skalierbares Performance-Modell
Auch im Creator-Bereich habe Awin gezielt investiert, so Lomborg. Dazu gehörten eine eigene Creator-App, spezialisierte Teams, Partnerschaften mit Creator-Plattformen sowie Verbesserungen bei App-Tracking-Standards.
Die Ergebnisse seien deutlich: Laut Netzwerkdaten generierten Influencer und Creator über Awin in diesem Jahr fast eine Milliarde Klicks, mehr als 900 Millionen US-Dollar Umsatz und über 100 Millionen US-Dollar an ausgezahlten Provisionen. Diese Zahlen zeigten, dass Publisher-Modelle unter den richtigen Rahmenbedingungen erfolgreich skalierbar seien.
Fazit: Partner-Marketing wird zum Rückgrat skalierbarer Performance-Partnerschaften
In der Gesamtschau beschreibt Lomborg einen Markt, der Partner-Marketing nicht länger als Nische betrachtet. Durch verbindliche Qualitätsstandards, wachsende regulatorische Klarheit, technologische Innovation und neue Partner-Modelle entwickle sich Deutschland zu einem europäischen Referenzpunkt für faire, transparente und nachhaltige Performance-Partnerschaften.

