UX-Design: neueste Trends und Herausforderungen 2024

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Foto von JOSHUA COLEMAN auf Unsplash

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Generative KI, kritische finanzielle Zeiten und eine zunehmende Demokratisierung von UX – Marketer, Forscher und Webdesigner stehen 2024 vor neuen Herausforderungen und revolutionären Entwicklungen in allen Bereichen der digitalen Nutzererfahrung.

Thom Bartsch, Senior Solutions Consultant bei UserTesting hat im Interview für uns die aktuellen Trends und Herausforderungen im Bereich UX kommentiert.

 

Was sind die aktuellen Trends im Bereich UX?

Während das vergangene Jahr im Wesentlichen geprägt war von ersten Versuchen der Annäherung von UX und künstlicher Intelligenz (KI), stehen jetzt aktive Prozesse der Integration von KI in den praktischen Alltag von UX im Vordergrund.

In vielen Tools, wie zum Beispiel FigJam von Figma, wird KI schon zum Erstellen von Zusammenfassungen von Whiteboard Sessions und zum automatischen Sortieren und Gruppieren von Informationen verwendet.

Generatives Design mittels KI ermöglicht es Designern zudem, mittels einfacher Instruktionen insbesondere neue physische Produkte zu kreieren.

Mit dem Einzug von KI in die Nutzerführung und Personalisierung geht daneben auch eine Entwicklung hinsichtlich Zero User Interface (Zero UI) einher. Die natürlichsprachliche Steuerung von Prozessen wird hier ein interessantes Anwendungsfeld, das sich mit großer Sicherheit auch außerhalb des Konzeptes vom intelligenten Zuhause oder Smart Home rasant weiterentwickeln wird.

Anforderungen hinsichtlich der Barrierefreiheit  und der Personalisierung in Nutzererfahrungen treiben diese Entwicklung noch voran. In vielerlei Hinsicht erinnert diese Phase der Implementierung von KI in verschiedene UX-Prozesse an die spannende Phase der Erschließung des Internets Mitte der neunziger Jahre.

Was ist ein absolutes No-Go, wenn wir 2024 von UX-Design sprechen?

 

Thom Bartsch, Senior Solutions Consultant bei UserTesting
© Thom Bartsch, Senior Solutions Consultant bei UserTesting

Mit der globalen Verfügbarkeit von digitalen Erfahrungsbereichen steigen die Kundenerwartungen und die Kundenanforderungen, und das gilt insbesondere in kritischen finanziellen Zeiten. Kunden sind mehr denn je willens zu Alternativen zu wechseln, wenn die Erfahrungen, die ihnen angeboten werden, sich nicht mit ihren Anforderungen decken.

Unternehmen müssen den Kunden selbst mit all seinen Bedürfnissen in den Vordergrund stellen. Nur, wenn diese richtig verstanden und optimal priorisiert werden, können digitale und physische Produkterfahrungen am Markt bestehen.

Das bedeutet im Alltag, dass Produkte und Features, die ohne Einbeziehung der Nutzer erstellt werden, zum größten Teil zum Scheitern verurteilt sind. Gleichermaßen bedeutet es auch, dass das Verständnis von Nutzer- und Kundenbedürfnissen kein Expertenprivileg sein sollte, sondern vom gesamten Unternehmen und über alle Bereiche hinweg geteilt sein muss.

Welche Veränderungen gibt es durch ChatGPT und KI in diesem Bereich? 

Gerade in Hinsicht auf Discovery-Untersuchungen zum Thema, wie potenzielle Nutzer mit diesem oder jenem Aspekt eines Nutzererlebnisses umgehen, kann KI eine zentrale Rolle in der Erfassung von Nutzermeinungen spielen – und basierend auf den erhobenen Informationen bereits nützliche Empfehlungen für Produktfeatures und Konzepte zur Verfügung stellen.

Auf der Seite des Nutzers kann KI viele Personalisierungsaspekte natürlichsprachlich anbieten und so ein individuell auf den Nutzer angepasstes UX-Erlebnis ermöglichen.

Was sind die großen Herausforderungen für das Jahr 2024?

Vor dem Hintergrund eines negativen wirtschaftlichen Wachstums stehen Organisationen und Firmen in diesem Jahr vor vielen Herausforderungen. Damit einher geht die deutlich kritischere Betrachtung von Investitionen. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Bereiche Research und UX-Design. Designer und Researcher müssen heute mehr denn je in der Lage sein, Konzepte und Projekte mit Vorgesetzten und Entscheidungsträgern in verschiedenen Abteilungen erfolgreich zu kommunizieren. UX muss einen echten Mehrwert generieren und damit auch einen Return on Investment. Designer und Researcher müssen das verstehen und auch aktiv kommunizieren, um die notwendigen Investitionen zu erhalten. 

Weitere Schlagwörter in diesem Zusammenhang sind die Demokratisierung von UX und das Insight Management. Die Demokratisierung von UX stellt den Nutzer mit seinen spezifischen Bedürfnissen in den Mittelpunkt aller Unternehmensbereiche. Sie ist zugleich auch eine Chance für die Neu-Positionierung der Aufgabenbereiche Design und Research, weil in vielen Fällen Informationen und Einsichten nicht mehr nur ausschließlich von Marktforschern erfasst werden. Hier kommen auf Designer und Researcher ganz neue, edukative und oft deutlich globalere und strategischere Verantwortlichkeiten und Rollen zu. Designer übernehmen so auch eine wichtige Beraterrolle im Unternehmen. 

Eine wahre Nutzerzentrierung erfordert es, so früh und konsequent wie möglich, also schon vor der Erstellung von Designkonzepten und deren Variationen, zu verstehen, was ein Nutzer – und damit ein potenzieller Kunde – benötigt. Welche Probleme muss er lösen? Wie löst er sie bisher? Und inwiefern kann man den Nutzer entlang der gesamten User Journey unterstützen? Nur, wenn man in dieser Hinsicht begleitende Forschung betreibt, kann man auch die erforderlichen Features umsetzen und damit eine positive Nutzererfahrung gestalten. Und eben diese ist die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Bestehen am Markt.

Informationen über Nutzererfahrungen und Nutzeranforderungen sollten aber nicht nur wenigen Auserwählten in einer Firma zur Verfügung stehen, sondern mit allen geteilt werden. Das bringt das Insight Management als nächste Herausforderung in den Fokus. In vielen Fällen verschwinden geradezu Fakten aus Studien und Analysen in Präsentationen und PDF-Dateien und können, wenn sie gebraucht werden, nicht mehr einfach eingesehen werden. Oder hochkomplexe Regelwerke und Benutzerbeschränkungen verhindern das schnelle Editieren, Suchen und Finden von Informationen.

Zentrale Speicherorte mit flexiblen und leichtgewichtigen Rollenzuweisungen und angemessenen Taxonomien ermöglichen hier nicht nur die Verwaltung von Nutzerinformationen und Design- und Projektanalysen, sondern auch das Erkennen von Mustern über verschiedene Projekte und Zeitebenen hinweg. Im Idealfall bieten diese Repositories angepasste Ansichtsebenen für die unterschiedlichen Rollen in einem Unternehmen. Researcher und Designer etwa können Projekte priorisieren, analysieren und dokumentieren, und Stakeholder haben über automatisch erstellte Dashboards all die relevanten Informationen zur Hand, die für ihre Entscheidungsprozesse ausschlaggebend sind.

In allen diesen Bereichen kommt KI und auch Machine Learning eine unterstützende und analysierende Funktion hinzu. Beispielsweise beim Erstellen von Zusammenfassungen und Vorschlagen der nächsten möglichen Schritte.

Auf welchen Events können wir Sie 2024 treffen?

Wir sind dieses Jahr auf vielen Veranstaltungen und Konferenzen, wie zum Beispiel der eCommerce-Konferenz eTail Germany, der K5 Messe im Juni und den Design- und UX-Konferenzen HATCH und Push UX später im Jahr. Bei vielen dieser Events werden wir auch mit unseren Kunden auftreten. 

Vielen Dank für das Interview!